Je höher die Position im Unternehmen oder je höher die Risikoeinstufung einer Funktion ist, desto grösser kann der potenzielle finanzielle und reputative Schaden sein, der angerichtet werden kann. Bei der Besetzung von C-Level-Positionen (CEO, CFO, CTO), des Verwaltungsrats und von Positionen mit einer hohen Risikoeinstufung (z.B. IT-Mitarbeiter mit umfassenden Zugriffsrechten) reicht eine standardisierte Überprüfung der persönlichen Hintergründe oft nicht mehr aus.
Daher ist bei diesen Stellen eine erweiterte Due Diligence fast immer zwingend notwendig. Diese geht weit über die Prüfung eines Lebenslaufs hinaus und erfordert einen ganzheitlichen, tiefgehenden Blick auf die Integrität, die Vergangenheit und mögliche Interessenskonflikte des Kandidaten, um Risiken proaktiv zu managen. Solche Checks setzen sich aus verschiedenen, ineinandergreifenden Prüfelementen zusammen, wobei auch hier die rechtlichen Rahmenbedingungen nach Arbeitsvertragsrecht und Datenschutzgesetz berücksichtigt werden müssen.
Das Fundament: Status und Qualifikation
Die zweifelsfreie Verifizierung der Angaben des Kandidaten bildet die Basis jeder erweiterten Prüfung. Hierzu gehören grundlegende, aber essenzielle Schritte:
- Bewilligungen: Besonders bei international rekrutierten Führungskräften ist die Prüfung der Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung unabdingbar, um rechtliche Risiken bei der Anstellung zu vermeiden.
- Verifizierung der Historie: Ein kritischer Abgleich der Berufserfahrung bei früheren Arbeitgebern sowie die Überprüfung von Aus- und Weiterbildungen und beruflicher Kompetenz (Diplome, Zertifikate) deckt potenzielle Ungereimtheiten oder Hochstapelei im Lebenslauf auf.
Politisch exponierte Personen (PEPs) und Compliance
Wenn ein Kandidat als politisch exponierte Person (PEP) gilt, sind besondere Vorsicht und Sorgfalt geboten. Dazu gehören Personen, die wichtige öffentliche Ämter ausüben (oder ausgeübt haben), sowie deren engstes persönliches und geschäftliches Umfeld. PEPs bergen per Definition ein erhöhtes Risiko in Bezug auf Bestechung, Korruption und Geldwäsche.
Globale Sanktionslisten, internationale Risiken und Medienanalyse
In einer globalisierten Wirtschaft müssen Unternehmen sicherstellen, dass ihre Führungskräfte und Personen in Positionen mit einem hohen Risikoprofil "sauber" sind. Dies erfordert weit mehr als eine nationale Registerabfrage.
- Eine Abgleichung mit internationalen Risikolisten ist unerlässlich: In der Praxis wird gegen Sanktionslisten (SECO, OFAC, EU, etc.) geprüft. Hinweis: "Fahndungslisten" von Behörden sind typischerweise nicht als frei nutzbare Abgleichlisten verfügbar; Provider arbeiten oft mit aggregierten Datenbeständen. Entscheidend sind die Trefferqualität, die Namensgleichheit, die manuelle Verifikation und der dokumentierte Umgang mit "False-Positives" (inklusive Gelegenheit zur Stellungnahme).
- Reputationsanalyse: Ein wesentlicher Teil der erweiterten Due Diligence ist die Analyse der globalen Medienberichterstattung über die Person. Zudem wird gezielt nach Präsenzen in sogenannten Leak Papers (z.B. Panama Papers, Paradise Papers) gesucht, um verborgene Offshore-Aktivitäten zu identifizieren.
- Strafrechtlicher Hintergrund: Die Überprüfung von Strafen, Massnahmen & Verfahren (strafrechtliche Verurteilungen) im relevanten internationalen Kontext ist obligatorisch. Dies bedingt, dass auch Strafregister aus anderen Ländern einverlangt wird, wenn die Person im Ausland gearbeitet hat in den letzten 5 bis 10 Jahren.
Finanzielle Integrität und Interessenkonflikte aufdecken
Ein C-Level-Screening muss zwingend potenzielle Loyalitätskonflikte und finanzielle Risiken beleuchten. Hier geht es nicht um generelles Misstrauen, sondern um knallhartes Risk Management zum Schutz der Shareholder und der Firmenreputation.
- Finanzielle Integrität: Gerade für Positionen mit Budgetverantwortung (wie CFO) ist die Überprüfung der finanziellen Integrität essenziell. (Erfahren Sie mehr dazu in unserem Artikel über Bonitätsprüfung & Betreibungsauskunft im Bewerbungsprozess
- Interessenkonflikte & Nebenbeschäftigungen: Es wird aktiv nach versteckten Interessenkonflikten gesucht. Hält der Kandidat Anteile an direkten Konkurrenten? Gibt es verdeckte Mandate in anderen Verwaltungsräten? Zudem werden nicht deklarierte Nebenbeschäftigungen geprüft, welche die Arbeitsleistung beeinträchtigen oder im Konflikt zum neuen Arbeitgeber stehen könnten.
Methodik: OSINT und Soziale Medien
Um diese Tiefe an Informationen zu gewinnen, nutzen spezialisierte Analysten modernste Methoden. Eine zentrale Rolle spielt dabei OSINT / Internetrecherche (Open Source Intelligence), also die strukturierte Recherche in öffentlich zugänglichen Quellen im Internet. Ergänzt wird dies durch eine Analyse der Präsenz in Sozialen Medien, um ein abgerundetes Bild der Persönlichkeit und des öffentlichen Auftretens zu erhalten.
Zusammenfassend ist ein erweiterter Background Check für C-Level-Positionen oder eine Risikoposition im Unternehmen eine unverzichtbare Investition in die Sicherheit und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.