In einer Ära von Remote Work, globalen Teams und vollständig digitalen Rekrutierungsprozessen sehen Recruiter ihre Kandidaten vor der Vertragsunterzeichnung oft nur durch eine Webcam. Woher wissen Sie, dass die Person im Video-Interview tatsächlich die Person ist, deren Lebenslauf Sie vorliegen haben?
Identitätsdiebstahl (Identity Fraud) und sogenannte „Synthetic Identities“, aus echten und gefälschten Daten kombinierte Profile, sind längst keine Probleme mehr, die nur Banken betreffen. Kriminelle bewerben sich auf Remote-Stellen, um Zugang zu Firmennetzwerken zu erhalten, Hardware abzugreifen oder Industriespionage zu betreiben.
Von KYC zu KYE: Banking-Standards im HR
Um diesem Risiko zu begegnen, adaptiert das moderne HR-Management Methoden, die im Finanzsektor unter dem Begriff KYC (Know Your Customer) bekannt sind, und wandelt sie in KYE (Know Your Employee) um.
Warum ein einfacher Scan nicht mehr reicht: Früher reichte es, wenn Bewerber einen Scan ihres Passes per E-Mail schickten. Heute ist dies grob fahrlässig, mit moderner Bildbearbeitungssoftware lassen sich Namen, Geburtsdaten oder Fotos auf Pass-Scans in Minuten täuschend echt verändern, und der unverschlüsselte Versand von Ausweiskopien per E-Mail verstösst gegen Datensicherheitsgrundsätze.
Die Technologie dahinter, MRZ und OCR: Professionelle ID-Verification-Tools nutzen die Smartphone-Kamera des Kandidaten, um das Ausweisdokument in Echtzeit zu analysieren.
- MRZ-Check (Machine Readable Zone): Die Software liest die kryptischen Zeilen am unteren Rand des Passes aus und berechnet Prüfziffern (Checksums) aus Geburtsdatum, Ablaufdatum und Passnummer. Stimmen diese mathematisch nicht überein, ist der Ausweis gefälscht.
- Optische Sicherheitsmerkmale: Fortgeschrittene Algorithmen prüfen das Vorhandensein und das Verhalten von Hologrammen, wenn der Nutzer den Ausweis im Licht kippt.
Biometrische Verfahren und der Kampf gegen „Deep Fakes“
Der Besitz eines echten Ausweises beweist noch nicht, dass der Bewerber auch der rechtmässige Inhaber ist, der Ausweis könnte gestohlen sein. Hier kommt die Biometrie ins Spiel.
Der Liveness Check: Ein statisches Foto oder ein vor die Kamera gehaltenes Video reicht nicht aus. Moderne Systeme fordern den Nutzer zu einer aktiven Handlung auf („Active Liveness“), etwa Blinzeln, den Kopf drehen oder Zahlen laut vorlesen. Diese Interaktionen stellen sicher, dass eine echte, lebende Person vor der Kamera sitzt, und sind die wichtigste Verteidigungslinie gegen Deep Fakes: KI-generierte Videomasken, die das Gesicht einer anderen Person in Echtzeit über das eigene legen können.
Face-Matching: Im letzten Schritt vergleicht die KI das biometrische Profil des Live-Videos mit dem Foto auf dem Ausweisdokument. Der „Matching Score“ gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit es sich um dieselbe Person handelt.
Datenschutz: Der Umgang mit sensiblen Daten
Die Erhebung biometrischer Daten ist nach dem Schweizer Datenschutzgesetz (nDSG) heikel: Biometrische Daten, die eine Person eindeutig identifizieren, gelten als „besonders schützenswerte Personendaten“.
- Verschlüsselung: Daten dürfen niemals im Klartext übertragen werden.
- Speicherung: Nach Abschluss der Verifikation sollten die biometrischen Rohdaten (das 3D-Face-Map) idealerweise gelöscht werden, während nur das Ergebnis und ggf. die Ausweiskopie gespeichert bleiben.
- Provider-Wahl: Nutzen Sie Anbieter, die ihre Server in der Schweiz oder der EU haben, um Datentransfers in unsichere Drittstaaten zu vermeiden.
Fazit: Reibungsloses Onboarding
Ein digitaler ID-Check dauert heute weniger als 90 Sekunden. Er signalisiert dem Kandidaten Professionalität und Modernität („Mobile First“). Für das Unternehmen bedeutet er maximale Sicherheit vor Betrug und volle Compliance mit Sorgfaltspflichten, noch bevor der erste Arbeitstag beginnt.
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